Über 30 Jahre im Bereich Landschaftspflege und Naturschutz tätig
Interview mit Diplom-Forst Jörg Ermshausen kurz vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand

Diplom-Forstwirt Jörg Ermshausen, zuständig für den Bereich Natzurtschutz- und Landschaftspflege (links), und Claus Freye aus der Geschäftsführung von Bethel im Norden sind auf dem mehr als 1.300 Hektar großen Gelände unterwegs und schauen sich gerade ein Teil der Wasserbüffelherde an. Nach über 30 Jahren als Leitung geht Jörg Ermshausen Ende März in den Ruhestand!
FREISTATT. Als Diplom-Forstwirt Jörg Ermshausen im Jahr 1992 mit einer halben Stelle die Leitung des landwirtschaftlichen Betriebes des heutigen Unternehmensbereichs Bethel im Norden übernahm, wurde ihm eine Aufgabe übertragen, die einen besonderen Schwerpunkt auf die Renaturierung des Moores rund um Freistatt legte.
„Bethel hatte damals den ökologischen Wert des Moores erkannt und großen Wert auf Landschaftspflege und Naturschutz gelegt“, erinnert sich Ermshausen an seine Anfangszeit. Mit seiner zweiten halben Stelle war er in Bielefeld für weitere Wald- und Weideflächen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zuständig. Nach rund 33 Jahren geht der 65-Jährige nun Ende März in den wohlverdienten Ruhestand.
In einem Interview mit Öffentlichkeitsreferent Ingolf Semper schildert er seine Eindrücke aus der Arbeit im Landkreis Diepholz, nennt wichtige Ereignisse und berichtet über die sehr positiven Entwicklungen im rund 850 Hektar großen Naturschutzgebiet im Freistätter Moor und im nördlichen Wietingsmoor.
Herr Ermshausen, welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Beginn als verantwortlicher Betriebsleiter?
Jörg Ermshausen:
„Zu Beginn meiner Tätigkeit, bei der mich mein Vater Helmut als Vorgänger noch unterstützt hat, konnten wir eine Stiftung gründen, die klar den Auftrag hatte, eine rund 850 Hektar große Hochmoorfläche zu einem Naturschutzgebiet zu entwickeln. Ziel war es, seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum zu bieten, in dem sie sich ohne größere Störungen von außen entwickeln können.“
Eine schwierige Aufgabe?
Jörg Ermshausen:
„Im Rückblick gar nicht so sehr. Wir konnten relativ schnell Erfolge sehen. Das lag auch daran, dass wir früh vom reinen Mastbetrieb auf einen Biobetrieb mit Mutterkuhhaltung und einer ersten Schafherde umgestellt haben. Außerdem konnten wir im genannten Gebiet weitere Flächen von benachbarten Landwirten erwerben und diese ebenfalls von intensiver auf ökologische Landwirtschaft umstellen.
So entstand eine große geschützte Fläche, auf der sich Flora und Fauna gut entwickeln konnten. Stark verändert hat sich allerdings der bürokratische Aufwand. Aus zwei oder drei Seiten Förderantrag vor 30 Jahren ist inzwischen ein umfangreiches, wenn auch notwendiges Förderverfahren geworden. Dank der vielfältigen Fördermöglichkeiten konnten wir jedoch stets erfolgreich arbeiten und einen wirtschaftlich gesunden Betrieb innerhalb der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel führen.
Rückblickend war es außerdem von großer Bedeutung, dass sich der damalige Vorstand Bethels Anfang der 1990er-Jahre dazu entschied, die Torfabbaurechte an das Land Niedersachsen zurückzugeben und mit den entsprechenden Mitteln die Stiftung Naturschutz und Landschaftspflege Freistatt zu gründen.“
Was hat Sie über die Jahre an der Arbeit in der Natur besonders beeindruckt?
Jörg Ermshausen:
„Als wir mit unserer Arbeit begonnen haben, gab es hier noch vergleichsweise wenige Vogelarten. Über die mehr als 30 Jahre hinweg haben sich viele – teils seltene – Arten wie der Seeadler und der Brachvogel ihren Lebensraum zurückerobert.
Wenn ich an die Kranichzüge mit mehreren Tausend Vögeln denke, sind das beeindruckende Bilder. Auch Enten oder Gänse, die mit ihrem Nachwuchs ganz selbstverständlich die Straße zwischen Freistatt und Heimstatt überqueren und mich warten lassen, bis sie den Weg freigegeben haben, sind schöne Erinnerungen.“
Und wie hat sich das Moor selbst entwickelt?
Jörg Ermshausen:
„Ein Moor erholt sich nur sehr langsam – Geduld war also gefragt. Und das ‚Wir‘ ist mir wichtig: Das engagierte Team des Landschaftspflege- und Naturschutzbetriebes hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir heute eine kontinuierlich positive Entwicklung sehen.
Zu Beginn mussten wir die Moorflächen entholzen und Entwässerungsgräben schließen, denn unser Hochmoor wird ausschließlich durch Regenwasser gespeist – nicht von unten, sondern eben nur von oben. Außerdem haben wir eine robuste Rinderrasse gezüchtet, die optimal an unsere Flächen angepasst ist. Auch Schafe und Ziegen sowie Schulklassen und Projektgruppen haben geholfen, kleinere und größere Gehölze zurückzudrängen.“
Ihr persönliches Fazit?
Jörg Ermshausen:
„Als Diplom-Forstwirt freut es mich besonders, dass wir diese aus meiner Sicht einzigartige Tier- und Pflanzenwelt auf unseren Naturschutzflächen wieder ansiedeln konnten. Für die Pflege und Entwicklung eines Hochmoores sind unsere tierischen Helfer unentbehrlich. Mit schweren Maschinen können empfindliche Bereiche schnell wieder zerstört werden. Und schließlich sind unsere Waldflächen am Rande der Moore als angepasste Wilddichten besonders wichtig, um die biologische Vielfalt und die natürliche Waldentwicklung zu fördern.
Was genau ist damit gemeint?
Jörg Ermshausen:
Unsere Hochmoorgrünlandflächen werden von rund 500 Robustrindern gepflegt. Dabei werden Sie von etwa 800 Schafe, 80 Ziegen und 50 Wasserbüffel bei der täglichen Arbeit im Moor unterstützt. So können wir unsere Biolandflächen gezielt und zugleich schonend bewirtschaften.
Ein Beispiel ist die Birke: In der Anfangszeit dominierte die Moorbirke. Als zunehmend die Sandbirke aufkam, mussten wir Ziegen anschaffen, da diese Baumart mehr Bitterstoffe enthält und von Schafen weniger gern gefressen wird. Auch die genügsamen Wasserbüffel können, dank ihrer breiten Klauen, auf den sehr nassen Flächen weiden, auf denen die Schafe und Ziegen nicht zurechtkommen. Diese Tiere haben sich bei uns hervorragend bewährt.“
Was wünschen Sie sich für Ihren bisherigen Verantwortungsbereich?
Jörg Ermshausen:
„Ich weiß den Landschaftspflege- und Naturschutzbetrieb in guten Händen. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte in ähnlicher Weise fortsetzt.
Was mir sicherlich fehlen wird, ist die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb selbst, aber auch mit den vielen Mitarbeitenden aus den anderen Arbeitsbereichen. Und ich möchte auch einen großen Dank an die Geschäftsführung richten, denn Sie hat mich sehr bei meiner Arbeit unterstützt, viele Dinge ermöglicht und auch so manche verrückte Idee mitgetragen.
Gemeinsam haben wir auf einer rund 1.300 Hektar großen Fläche des Unternehmensbereichs Bethel im Norden ein etwa 850 Hektar großes Naturschutzgebiet entwickelt und betreuen zusätzlich rund 150 Hektar Waldfläche. Besonders freut mich die große Akzeptanz in der Bevölkerung. Viele Besucherinnen und Besucher bringen unseren Flächen und unserer nicht immer einfachen Arbeit große Wertschätzung entgegen. Das nehme nach über 30 Jahren gerne mit.“
