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14.07.2020

Echt stark – Erfolgreiche Inklusion im Birkenhof Bildungszentrum

22-jähriger Robert Irmscher erhält Berufsabschluss „Sozialpädagogischer Assistent“


Nur gemeinsam gelingt Inklusion. Über das gelungene Pilotprojekt im Birkenhof Bildungszentrum freuen sich (von links) Beatrix Schneider-Klein, Dirk Zeisler, Robert Irmscher, Sabine Grujic, stellvertretende Schulleiterin „Berufsfachschule Sozialpädagogische Assistentin / Sozialpädagogischer Assistent“ und Ulrich Baaske.

HANNOVER. Es war eine Herausforderung für alle Beteiligten – mit Abschluss der Prüfungen kann man aber deutlich sagen, dass ein Pilotprojekt des zum Unternehmensbereiches Bethel im Norden gehörenden Birkenhof Bildungszentrums in Hannover sehr erfolgreich war. Als erster Schüler mit einer Seheinschränkung bekam Robert Irmscher jetzt aus den Händen von Schulleiter Ulrich Baaske und seiner Klassen- und Betreuungslehrerin Beatrix Schneider-Klein das Zeugnis mit dem Berufsabschluss „Sozialpädagogischer Assistent“ überreicht. Informationen zu den Ausbildungsmöglichkeiten gibt es hier - einfach anklicken!

Für den 22-Jährigen geht nach dieser zweijährigen Ausbildung eine spannende und aufregende Zeit zu Ende: „Ich bin stolz und natürlich auch erleichtert, dass ich es jetzt geschafft habe. Für mich hat sich gezeigt, dass ich genauso so gut in den Dingen bin wie meine sehenden Mitschüler/innen. Dies hat sich für mich nicht nur im Unterricht, sondern gerade auch in meinen Praxiseinsätzen, in den Einrichtungen vor Ort, gezeigt.

Zu Beginn der Ausbildung gab es noch so manche Hürde zu überwinden, um die Voraussetzungen für eine gelingende Ausbildung zu schaffen. „Die Aufnahme eines Schülers mit einer Seheinschränkung am Birkenhof Bildungszentrum vor zwei Jahren war für uns gewissermaßen Neuland und daher für alle Beteiligten eine große Herausforderung - für uns als Schule, für Robert, der bisher nur auf blindenspezifischen Schulen mit kleinen Klassen gewesen ist, für die unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen sowie für die Mitschülerinnen und Mitschüler in seiner Klasse. Niemand wusste, ob dieser Weg zum Erfolg führen würde“, erklärt dazu Ulrich Baaske und ergänzt: „Wir haben dieses Inklusionsprojekt mit der Unterstützung eines Beratungslehrers aus dem Landesbildungszentrum für Blinde durchgeführt, der uns begleitend z.B. bei der technischen Ausstattung mit digitalen Vergrößerungsgeräten oder bei der Umwandlung von Büchern in Dateien hilfreich zur Seite stand.“

Entscheidend sind für den Schulleiter dabei aber auch die eigenen schulinternen Ressourcen, auf die man bauen kann. Dazu zählen für ihn überaus engagierte und motivierte Lehrkräfte im Unterricht sowie eine gute schulische Betreuung in den Praxisphasen. Man muss die Inklusion wollen, damit sie gelingt“, so Ulrich Baaske nach dieser erfolgreichen Ausbildung. Das Bildungssystem inklusiv zu gestalten, ist der Anspruch des Niedersächsischen Kultusministeriums, das dieses Recht im Jahr 2012 gesetzlich für den beruflichen Bildungsbereich verankert hat. „Neben dem großen Engagement der unterrichtenden Lehrkräfte war die Unterstützung und die Einbeziehung durch die Klassegemeinschaft ein wichtiges Element der erfolgreichen Inklusion. Robert ist durch die Klassengemeinschaft gewachsen! Dabei war die Unterrichtsgestaltung in Kleingruppen sehr wichtig, wodurch ein guter Kontakt und Austausch von Anfang an hergestellt werden konnte“, beschreibt Beatrix Schneider-Klein wichtige Erfolgsfaktoren.

„In einer Inklusionsklasse ist es entscheidend, dass man den Menschen sieht und sich mit ihm auseinandersetzt und quasi die Einschränkung mit dem Menschen erlebt und nicht nur die Einschränkung alleine. Dies war für uns alle eine wichtige Erkenntnis, die wir so aus unserem bisherigen Schulalltag nicht kannten“, schildert Mitschülerin Sina Grunewald ihre Erfahrung. Großes Lob zollt auch der beratende Lehrer Dirk Zeisler aus dem Landesbildungszentrum für Blinde den Kolleginnen und Kollegen und dem Birkenhof Bildungszentrum insgesamt: „Sie haben durch ihr besonderes Engagement und durch die blindengerechte Aufarbeitung der Unterrichtsinhalte viel geleistet und zum Erfolg beigetragen, das ist nicht selbstverständlich.“

Robert Irmscher hat seine Praktische Ausbildung mit 600 Stunden in einer Krippe und in einer Kita absolviert: „In den Praxisphasen ging es mir sehr gut, da hatte ich meine Bereiche gefunden, die ich austesten konnte. Dazu wurde ich gut von den Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen, von meiner Betreuungslehrerin sowie meiner Mentorin unterstützt, auch durch die vielen Reflexionsgespräche. So ist er am Ende sehr dankbar, dass er die Chance bekommen hat, die Ausbildung im Birkenhof Bildungszentrum machen zu können: „Ich war zu Beginn unsicher, ob es überhaupt Sinn macht. Jetzt bin ich, auch mit meinen Eltern, glücklich darüber und freue mich auf meine erste Stelle im Internat des Landesbildungszentrums für Blinde, die ich im August antrete und natürlich auch auf mein erstes selbst verdientes Geld.“


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